#9 Mein liebes Froillein!!!*

Oder auch „Mein lieber Herr Gesangsverein!“ oder „Mein lieber Scholli!“. Auch gerne in meinem Sprachgebrauch variiert zu „Meine liebe Frau Kirchenchor!“ oder erweitert zu irgendetwas Sinnbefreitem wie „Mein liebes Froillein ohne Fahrradklingel!“ (fiel mir gerade ein) oder auch nur zu einem auf dem Punkt gebrachten, liebevollen doch dem Kinde ein unausweichliches Alarmsignal aussendendes: „Donna Krawalli!“

Meine liebe Schelmine hat letzte Woche den Spruch „Ich bin Deine Mutter!“ genauer beleuchtet und interessante Aspekte rausgearbeitet. Bei der Auswahl des aktuellen Muttispruches habe ich mich letztlich für das für mich gefühlte Gegenstück des Spruches entschieden. Betont der Ausspruch „Ich bin Deine Mutter!“ ganz eindeutig die eingeforderte Anerkennung des mütterlichen Daseins voller Rechte und Pflichten dem Kinde gegenüber sowie den indiskutablen Umstand, dass die Mutter immer die Mutter bleiben wird, so verweist „Mein liebes Froillein!“ in meinen Augen doch sehr deutlich auf die Zuweisung von Rechten und Pflichten der Tochter und den Tatbestand, dass ein Kind immer das Kind der Mutter bleiben wird.

Froillein Elfriede muss sagen was zu sagen ist!
Ich selbst kenne diesen Spruch sehr gut. So gut, dass er für mich eigentlich gar nicht wirklich als Muttispruch durchgeht, denn er ist inzwischen tatsächlich so in den Sprachgebrauch integriert, dass ein darüber Sprechen in meinen Augen irgendwie so gar nicht nötig ist. Aber seit geraumer Zeit erfreue ich mich ja selbst an den Herausforderungen rund um ein kleines Mädchenkind, welches die Welt entdeckt und vor allem ihren eigenen Willen, welches Beziehungen beginnt zu erlernen und ich als Mutter für sie unabdingbar (noch) der Nabel der Welt bin. Jedenfalls meistens.

So verfügt natürlich auch meine erst 14 Monate alte Tochter über Rechte und Pflichten. Ehrlich gesagt gibt es da – wenn überhaupt – mehr Rechte als Pflichten. Jedenfalls wenn man die Pflichten im eigentlichen Sinne betrachtet. Ihr Grundrecht ist es, Liebe zu erhalten, verköstigt zu werden, die Welt zu erkunden und den Tag mit Spiel, Schlaf und Unfug treiben zu verbringen. Ihre Pflichten hingegen erarbeiten wir gerade erst. Der Plan ist natürlich, die aufgezählten Rechte langsam und behutsam in gewisse wiederkehrende Zeitfenster zu orientieren und zu festigen. Dennoch, ich kam bereits mehrfach in die Verlegenheit diesen Muttispruch zu gebrauchen (um hierbei mal auf die Rückfrage eines Lesers offen zu antworten).

Katzenfroillein oder Froillein Hund
Da die Tochter ihre Gebaren derzeit irgendetwas zwischen neugierig verspielter und selbstverliebter Katze und anhänglicher und lernwilliger Hund auslebt, kommt es, dass Verbote dringlicher Art (‚Finger Weg von der Steckdose!‘ oder ‚Nicht das Katzenfutter essen!‘) nach langanhaltendem Training angenommen und eingehalten werden (der Hund in ihr). Voller Stolz #9 froillein-01und beeindruckt von der Lernwilligkeit und Einsicht des Kindes wende ich mich im Alltag daher wieder anderer Dinge zu, die es dem Kind gilt begreifbar zu machen auf dem Weg zu einem großen Menschlein voller Rechte und Pflichten. Wie das Kätzchen in ihr aber so will, muss der angelernte Sachverhalt jedoch überraschend erneut einer Prüfung unterzogen werden. Nämlich just dann, wenn ich nicht damit rechne, bahnt sich voller Spannung und Neugierde im Gesicht des Mädchens der Finger in den Fressnapf der Hauskatze und rührt fleißig darin rum. Glück in ihren Augen, Freude über diese Entdeckung und ein scharfes: ‚Nein, nimm bitte die Finger aus dem Napf!!!‘ tönt es natürlich sofort von mir, nachdem ich es entdecke. Irritiertes Aufblicken der Tochter während die Hand weiter ungerührt umherrührt. Auch das weitere Nein verhallt im Irgendwo. Meine Ungläubigkeit in Kombination mit einer leichten Gereiztheit über dieses Verhalten des Mädchenkindes steigt. Der Deal war doch schon klar, die Einhaltung des Gebotes ausgehandelt und der Sieg darüber errungen. Pusteblume. Fröhlich schiebt sich das Töchterlein ein Katzenfutterdings in den Mund.

Rückblende in die Elfriede-Kindheit
Rückblende zu den Dingen die ich so gerne wider den eigentlich vorherrschenden Regeln angefasst und umgesetzt habe. Rückblende zu meiner lieben Mutter Monika, wie sie mir in einer Engelsgeduld immer wieder versuchte die Parameter für ein gutes Miteinander mitzugeben: Zuhören, Hinhören und es dann so machen, wie die Mutter es sagt. Rückblende in meinen eigenen Kinderkopf und immer wieder die Fragen: Aber wieso? Was ist denn nur verkehrt daran? Was verbirgt sich hinter den Verboten? Was könnte denn passieren?Neugier macht sich in Klein-Elfriede breit und die unbändige Lust es trotz Verbot oder Bitte eben mal nur ganz kurz auszuprobieren.

Und ich kann Donna Krawalli in diesem Augenblick so unglaublich gut verstehen, den Schalk in ihren Augen mitspüren und die Neugier des Kindes ob der Konsequenzen seines Handelns geradezu mit beiden Händen fassen.

Selbstverständlich jedoch bleibt mir jedoch als (verantwortungsvolle, richtungweisende und um Anerkennung meiner Autorität bemühende) Mutter nur der liebevoll, innerlich grinsende, dennoch angenervte aber auch deutlich Konsequenzen androhende Ausspruch „Mein liebes Froillein!!!“ um der Sache her zu werden und deutlich zu machen, wer hier Mutter und wer hier Tochter ist. Wer hier die Regeln aufstellt und wer sie zu befolgen hat. Jedenfalls so lange das noch so einfach ohne Widerworte geht! Denn bei aller Liebe: „Mein liebes Froillein –  Ich bin Deine Mutter(!), Mädchenkind!“

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Ich bin übrigens davon überzeugt, dass der Muttispruch lauz ausgesprochen nur und damit ausschließlich in dieser von mir angewendeten Froillein-Schreibweise funktioniert! Jahrelang gelauscht und trainiert!

 

 

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