#2 Wer das Eine liebt, muss das Andere mögen!

Es gibt tausende Beispiele für diesen mich sehr prägenden Monika-Klassiker. Nehmen wir an, ich wollte unbedingt den einen, superschicken Pulli haben. Überteuert, schlechte Verarbeitung, eigenartiges Material und lediglich zur Handwäsche geeignet.  Eigentlich kauft man so etwas nicht. lieben und moegenVöllig logisch, völlig normal ihn doch zu kaufen – als Frau, als in ein Kleidungsstück verliebte Frau. Ich bezahle also eine Unsumme, ziehe den Pulli an, fühle mich als die schönste Frau der Welt  – und teile meinen Ärger darüber, dass er kratzt, eine Naht aufgegangen ist und er durch die (Waschmaschinen)Wäsche zu eng geworden ist, meiner Mutter mit. Mit meiner Erzählung möchte ich offensichtlich erreichen, dass wir uns gemeinsam über den Preis, die Qualität und die unmögliche Handhabung der Reinigung ereifern. Ich möchte hören, dass der Pulli ungeachtet dessen jedoch großartig und wie für mich gemacht ist… Es findet jedoch nach meinem Redeschwall nur ein kurzer Dialog statt, eigentlich ein Monolog. Offensichtlich sieht meine Mutter Monika das anders. Denn ich höre ich nur einen Satz am genervten Rande: Wer das Eine liebt, muss das Andere mögen!
Zwei Lesarten kann ich diesem Muttispruch folglich mindestens entnehmen:

Die erste und offensichtliche Lesart:

Er wurde und wird entweder meist völlig zu falscher Zeit ausgesprochen und ruft zudem noch dezent bis offensichtlich belehrend zu akut notwendiger geistiger Kompromissbereitschaft und Klarheit im Leben auf −  die ich in dieser betreffenden Gesprächssituation gar nicht aufbringen wollte und will, denn ich wollte und will dann einfach klagen und ningeln und emotionale Bestärkung erhalten.

Die zweite und nicht so offensichtliche Lesart: 

Der Muttispruch soll die Konsequenz einer getroffenen Entscheidung vorbehaltlos und emotionsbefreit bis erheitert oder gar schadenfroh bestärken und zu meiner ganz persönlichen Verwunderung im Bewusstsein meiner lieben Mutter Monika gar als Ermunterung und Trost dienen.
 Letztlich hätte meine liebe Mutter in den Situationen, in denen ihr dieser Satz mit einem leicht süffisanten Lächeln den Mund umspielend von den Lippen kam, auch gleich konkret sagen können:
 „Tja meine Liebe, mitgefangen, ist mitgehangen. Du wolltest es ja so. Finde Dich damit ab.“ Möglicherweise höre ich sogar ein „Du hast mich ja vorher nicht gefragt“ oder gar ein leicht beleidigtes „Du wolltest ja nicht auf mich hören“ oder auch ein mütterlich resümierendes „Das hättest Du Dir mal lieber vorher überlegt“ aus dieser einen Zeile geballter Mutterweisheit heraus. So viel zur Deutungsfreiheit eines kleinen Kindes, einer Heranwachsenden und schließlich einer erwachsenen Frau. Es ändert sich nichts an der Mutters Weisheit, egal wie alt ich bin, so ist der Tatbestand. Im entsprechenden Moment hilft sie auch selten weiter, so viel ist sicher. Aber rückwirkend muss ich eingestehen, hat sie mir zu etwas mehr Gelassenheit verholfen, außerdem zu einer gewissen Kompromissbereitschaft ermuntert und zudem eine stärkere Toleranz hervorgebracht – oder aber eben im Umkehrschluss meinen eigenen Standpunkt in der Festigkeit bestärkt.

Und immer wieder hör ich Monika…

Als kleines abschließendes Beispiel führe ich gern meine eigene Familie an, schließlich ist sie Opfer und Begünstigte der mitgegebenen Weisheiten meiner Mutter an mich gleichermaßen:
 Ich liebe den Mann, der mit mir das Leben verbringt und ich mag seine Familie. Nicht immer so wie die eigene und nicht immer mit dem gleichen Grad an Verständnis für Entscheidungen, Riten und Befindlichkeiten, aber ich mag sie, sehr sogar. Es fällt mir nur manchmal nicht so leicht, denn ich habe ja meinen Mann geheiratet und nicht (in) seine Familie. So denke ich. So dachte ich.  Auch liebe ich neu geschaffene Familientraditionen in meiner eigenen kleinen Familie und –  ja, ich bin ehrlich und gestehe – ich mag und mochte mehrheitlich die, die ich von meinem Elternhaus kenne und würde diese auch gern alle so belassen und vielleicht auch welche davon weiterführen. Ohne diese auf den Prüfstand stellen zu müssen. Ohne Kompromisse. Aber das geht nun mal nicht. Trotzdem, manchmal aber geht die Liebe zu dem Einen und damit das Mögen zu dem Anderen nicht weit genug für Neuerungen und Verständnis. Und manchmal will ich einfach nicht. So wie früher. Nur anders. Und während ich das schreibe, höre ich meine Mutter mit ihrer Weisheit an meine Kompromissbereitschaft appellieren, indem sie mal wieder erheitert lacht und fröhlich ruft: Wer das Eine liebt …

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